Sonntag, 21. Januar 2018

Die Totenleserin

"Die Totenleserin" 
von 
Ariana Franklin






Weltbild Verlag
6 CD = 7 Stunden 44 Minuten
gelesen von Beate Himmelstoß



 Inhalt:

Cambridge 1170: Um entsetzliche Kindermorde aufzuklären, wird aus Salerno ein Totenarzt gerufen. Keiner ahnt, dass es sich dabei um eine junge Frau handelt: Adelia. Sie ist die Beste ihres Fachs und ihrer Zeit weit voraus: "Ich glaube an das, was ich überprüfen kann." Mit ihrer direkten Art, Aberglaube und Vorurteilen entgegen zu treten, irritiert sie die Mächtigen der Stadt, die die Aufklärung der mysteriösen Fälle zu vereiteln suchen Beate Himmelstoß geht als Pathologin Adelia den düsteren Geheimnissen hinter den Morden auf den Grund und erweckt in ihrer atmosphärisch dichten Lesung das England des Mittelalters zu neuem Leben.


Meine Meinung:

 
„Die Totenleserin“ war mein erstes mittelalterliches Hörbuch. Normalerweise bin ich kein großer Fan von historischen Geschichten, aber da das Hörbuch in einem großen Tauschpaket mit enthalten war, habe ich dem Mittelalter einmal eine Chance gegeben. 

Adelia (die Totenleserin) ist eine der wenigen Frauen, die den Beruf der Ärztin erlernen durfte. Sie hat sich auf die Rechtsmedizin (früher Totenarzt) spezialisiert. Nun wird sie vom König engagiert, um mehrere Kindermorde aufzuklären. Dafür reist sie mit einem Ermittler (Simon) von Italien nach England. Adelia sieht sich als fortschrittliche Frau, die arbeiten und nicht Hausfrau, Ehefrau und Mutter werden möchte. Natürlich wird auch trotz aller Verbrechen und dunklen Zeiten die Liebe nicht zu kurz kommen. 

Ariana Franklin hat eine gute Geschichte geschrieben, die jedoch aus meiner Sicht nicht so ganz glaubwürdig ist. Für mich war Adelia zu forsch und zu selbstbewusst für diese Zeit. Die Dialoge waren etwas zu modern, aber durchaus unterhaltsam. Es war interessant zu hören, wie man im Mittelalter versucht hat Verbrechen zu lösen und dank der vielen kleinen und großen Verwicklungen gab es auch etwas Abwechslung. Die Spannung jedoch war leider nicht über die gesamte Zeit vorhanden.

Für mein erstes Mittelalterhörbuch war es unterhaltsam und kurzweilig. Gelesen hätte ich das Buch sehr wahrscheinlich nicht.




3 von 5 Sternen

Freitag, 19. Januar 2018

Fein gehackt und grob gewürfelt

"Fein gehackt und grob gewürfelt" 
von
 Julian Barnes






erschienen am 19.08.2004
Kiwi Verlag
ISBN: 9783462034197
157 Seiten



Inhalt:

Wer selber kocht, weiß, dass zwischen Rezept und fertigem Gericht Welten liegen können. Julian Barnes, selbst ein Pedant in der Küche, erzählt von seinen Experimenten und Abenteuern, seinen Triumphen und Niederlagen zwischen Kochtopf und Schneidebrett, zwischen Küche und Esstisch. Dieses amüsante Buch, das gespickt ist mit britischem Humor, ist ein Muss für jeden, der gern kocht, ein Muss für jeden, der gern isst. 


Meine Meinung:

 
Ein Pedant in der Küche und sein Kampf mit den Rezepten. Jeder, der schon einmal ein Rezept nachgekocht hat, wird am Ende feststellen, dass das Ergebnis selten mit dem Bild im Kochbuch übereinstimmt. Noch häufiger ist dies bei Backrezepten. Wunderschöne Kuchen, Torten und gleichmäßige Plätzchen sind dort abgebildet und das Backergebnis ist…einfach anders. 
 
Der Autor erzählt von seinem Kampf um die richtige Messerspitze, den korrekt gehäuften Teelöffel und einer optimalen Prise Salz. Solche Angaben können den Hobbykoch durchaus verzweifeln lassen. Aber selbst, wennn man pedantisch (wie der Autor) fast schon sklavisch dem Rezept folgt, kommen Abweichungen zum Bild zu stande.
 
Er beschreibt seinen Küchenkampf mit ganz viel Humor und feiner Ironie. Ich musste immer wieder schmunzeln, wie genau er die Rezepte nimmt. Während man selbst einfach etwas spielt und die eine oder andere fehlende Zutat durch eine andere Zutat ausgleicht, bricht für ihn die Kochwelt zusammen und das Chaos aus. 

Es ist ein schmales und unterhaltsames Büchlein, was man gern zwischen zwei Gängen lesen kann.



 4 von 5 Sternen
 

Sonntag, 14. Januar 2018

Das Revier der schrägen Vögel

  "Das Revier der schrägen Vögel" 
von
 Sophie Hénaff



erschienen am 16.10.2017
carl's books Verlag
ISBN 9783570585726
336 Seiten


 Inhalt:

Die Ermittler-Einheit von Kommissarin Anne Capestan ist wieder da. Sie hat sich um einen neuen schrägen Vogel bereichert, einen Polizisten, der sich für D’Artagnan, den Helden des Romans Die drei Musketiere von Alexandre Dumas hält. Und wieder wird der Truppe der Ausrangierten ein besonders pikanter Fall übertragen: Ein Mord auf offener Straße, das Opfer war ein hohes Tier bei der Polizei –und Anne Capestans Ex-Schwiegervater. Das bringt Anne gleich mehrfach in Schwierigkeiten. Denn wie soll sie es ihrem Exmann beibringen, wenn sie eigentlich nie mehr mit ihm sprechen will? Und das ist nur der Auftakt einer Mordserie …. Wieder löst die Truppe auf unkonventionelle Weise die verzwickten Fälle, und es offenbaren sich private und behördliche Verstrickungen, deren Aufdeckung der neuen Führungsriege von 36, Quai des Orfèvres äußerst unangenehm sind.


Meine Meinung:
  

Wenn das „Kommando Abstellgleis“ antritt, wird es skurril, spannend, knifflig und ironisch und Sophie Hénaff schafft mit dem zweiten Band eine gelungene Fortsetzung. 

Das Team wird um weitere „geächtete“ Polizisten ergänzt, so dass man als Leser wieder neue interessante Charaktere kennenlernt. Die „alten“ Figuren dürfen sich teilweise weiterentwickeln und man erfährt immer mehr aus deren Leben. Im Mittelpunkt steht immer die Chefin der Einheit Anne Capestan. Diesmal werden viele private Details ans Licht gebracht und sie muss sich mit einem Mörder auseinandersetzen, der sehr stark mit ihrer Vergangenheit verbunden ist. 

Es sind wieder die vielen kleinen Details, die Marotten und die Dialoge, die den Krimi so unterhaltsam machen. Was soll man schon zu einer „abgerichteten“ Ratte sagen? Oder zu einem Musketier im Team? Sophie Hénaff mag ihre Figuren und dies kann man lesen. Es sind Menschen, die bereits einiges erlebt haben und nicht immer so gut mit den Erlebnissen umgehen können. Doch sie unterstützen sich und sie ziehen immer mehr an einen Strang. Sie haben alle den Ehrgeiz zu zeigen, dass sie mehr als nur das „Kommando Abstellgleis“ oder die schrägen Vögel vom Revier sind. 

4 von 5 Sternen

Freitag, 12. Januar 2018

Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura

"Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura" 
von
 Irmtraud Morgner



erschiene am 09.10.2017
  btb Verlag
ISBN: 9783442715770
  688 Seiten


Inhalt:

Nimmt der ewige »Krieg der Geschlechter« ein Ende? Die Spielfrau Beatrix erwacht nach über achthundertjährigem Schlaf in unserer Gegenwart. In der Provence war sie im hohen Mittelalter eingeschlafen, jetzt bekommt sie es mit einer Welt zu tun, in der ihr Schloss einer Schnellstraße Platz machen soll. Sie bringt aber nicht nur diese Entscheidung ins Wanken, auch wie Männer und Frauen zusammenleben und worin das Wesen der Erotik gesehen wird, will ihr nicht einleuchten. Am besten, man würde noch einmal ganz von vorne beginnen.


Meine Meinung:


Manchmal muss man sich eingestehen, dass man (auch bei einem Buch) daneben gegriffen hat. So ist es mir leider bei dem Buch von Irmtraut Morgner ergangen. Der sehr lange und umständliche Titel hat mich zuerst begeistert und auch der Klapptext klang interessant. 

Eine Frau erwacht nach rund 800 Jahren Schlaf in der heutigen Zeit und muss nun einige Veränderungen, über die sie sich mehr oder weniger wundert, feststellen. Soweit klang es eigentlich ganz gut, jedoch hat mir die Umsetzung weniger gut gefallen. Ich bin leider mit dem Schreibstil der Autorin nicht zurechtgekommen. Die Ausdrucksweise war für mich zu eigenwillig. Es ist zwar verständlich, dass die Trobadora Beatriz nicht wie zu der heutigen Zeit spricht, jedoch konnte mich die Ausdrucksart/-weise der Figur nicht einfangen und überzeugen. Es fehlte der Charme und auch der erhoffte Humor. Zu der Hauptfigur konnte ich über die ganzen gelesenen Seiten keine Verbindung aufbauen und so langweilte mich die Geschichte recht schnell. Die einzelnen Stationen und Kapitel wirkten zudem wie aneinandergereiht und abgearbeitet.

Für mich war es nicht das richtige Buch. Ich habe es nach gut einem Drittel abgebrochen, da mich die Geschichte von Beatriz  nicht mehr fesseln und begeistern konnte. 

1 von 5 Sternen

Sonntag, 7. Januar 2018

Kommando Abstellgleis

"Kommando Abstellgleis" 
von 
Sophie Hénaff



erschienen am 20.03.2017
352 Seiten
carl`s books Verlag
  ISBN 9783570585610



Inhalt:


Das Pariser Hauptkommissariat, 36 Quai des Orfèvres hat eine neue Leitung. Ihr Ziel heißt: die Aufklärungsraten und Statistiken polieren und alle lästigen, aufsässigen und arbeitsunwilligen Mitarbeiter loswerden. Deshalb ruft die Führungsriege eine neue Brigade ins Leben, in der alle Alkoholiker, Faulenzer, Schläger, Depressive und Polizisten, die sich für etwas anderes berufen fühlen - wie z.B. Eva Rozière, die Krimis schreibt, anstatt zu ermitteln -, zusammengefasst werden sollen. Die Leitung übergibt sie Anne Capestan, einer einst hoffnungsvollen jungen Polizistin, die wegen eines fatalen Fehlers vom Dienst suspendiert wurde. Was man von ihr erwartet: stillhalten. Anne hasst aber nichts mehr, als einfach zu gehorchen. Deshalb lässt sie nichts unversucht und baut mit ihrer Truppe der verkrachten Existenzen in einem schäbigen Büro bei miserabler technischer Ausstattung, ohne Waffen und Blaulicht ein Kommissariat der unkonventionellen Methoden auf und löst - zum Schrecken der neuen Chefs - auch noch alte Fälle, die die neue Führungsriege in gar keinem schönen Licht erscheinen lassen.


Meine Meinung:

 
Kommando Abstellgleis hat viele Charaktere, die einfach nur menscheln und so gar nicht in den Polizeiapparat passen. Neben Anne Capestan (die Chefin, die gern mal eigenmächtig schießt) gibt es die Romanpolizistin, die gern Bücher über ihre Kollegen schreibt und etwas dekadent lebt. Und dazu noch einen Hund namens Pilou bei sich führt. Torrez hat seinen ganz eigenen Schatten. Niemand möchte ihm zu nahe kommen, denn bisher hat es den Kollegen nicht gut getan. Merlot kennt sich mit Wein bestens aus und trinkt diesen auch reichlich. Dazu kommen noch Lebreton, ein gutaussehender Mann, der leider der Homophobie des Reviers zum Opfer fiel. Neben diesen wunderbaren Figuren gibt es noch weitere "abgestellte" Polizisten.

Es macht unheimlich Spaß dieses Team kennenzulernen. Sie sind sehr speziell, eigenwillig und unterhaltsam. Die Charaktere wurden teilweise stark überzogen dargestellt und nicht alles, sollte man auf die Goldwaage legen. Die Fälle sind verzwickt, denn eigentlich sollen sie nicht gelöst werden. Das Kommando Abstellgleis soll nur beschäftigt werden, damit es aus dem Sichtfeld rückt. Doch die „Abgeschobenen“ raufen sich zusammen und nachdem sie sich eingerichtet haben, starten sie, sehr zum Entsetzen der großen Chefs, durch. 

Es ist kein gewöhnlicher Krimi, sondern eher eine kleine Satire. Die Charaktere sind interessant, bergen einige Überraschungen und sind dabei noch sympathisch. Man freut sich deshalb schon auf den zweiten Fall (den es bereits gibt), um noch weitere Aktionen, witzige Dialoge und menschelnde Polizisten zu erleben. 

5 von 5 Sternen

Donnerstag, 4. Januar 2018

Das Porzellanmädchen

"Das Porzellanmädchen" 
von 
Max Bentow




erschienen am 17.07.2017
Der Hörverlag
ISBN 9783844527094
1 mp3-CD = 9 Stunden 32 Minuten


Inhalt:

Luna Moor ist eine gefeierte junge Autorin auf dem Gipfel ihres Erfolgs. Keine schreibt so packend und mitreißend wie sie über die Abgründe der menschlichen Seele. Niemand ahnt, dass Luna selbst als junges Mädchen in die Hände eines Wahnsinnigen fiel und ihm nur knapp entkam. Seither quält sie die Erinnerung an den Täter, der nie gestellt wurde. Eines Tages fasst sie den kühnen Entschluss, an den Ort ihres Martyriums zurückzukehren. Sehr schnell muss sie jedoch erkennen, dass sie in einen Albtraum geraten ist, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint. Aber ist Luna wirklich das unschuldige Opfer, das sie vorgibt zu sein?


Meine Meinung:

Durch die vielen positiven Bewertungen bin ich auf das Hörbuch von Max Bentow gestoßen. Ich war sehr gespannt auf diesen Thriller und vor allem auf die Figur Luna Moor. Der Covertext klang spannend und etwas düster, also perfekt für einen guten Thriller. Den Sprecher Axel Milberg kannte ich schon von anderen Hörbüchern und empfand seine Stimme und die Art wie der den Figuren Leben einhaucht bisher gut.

Und trotzdem konnte mich die Geschichte nicht einfangen. Die Hauptfigur Luna war für mich nicht greifbar. Sie wirkte unnahbar und auf mich wenig sympathisch. Auch gefiel mir die Geschichte an sich nicht. Sie wirkte sehr gestellt und langatmig. Ich fing bereits nach gut 30 Tracks an mich zu langweilen, weil mir die Grundstimmung nicht gefiel. Es packte mich nicht. Ich verlor immer mehr das Interesse an der Geschichte. Nach der Hälfte habe ich nun das Hörbuch für mich beendet, da ich keinen Zugang zu den Figuren und zu der Geschichte bekommen konnte. 
Schade. 

1 von 5 Sternen

Dienstag, 2. Januar 2018

Die Wolkenfischerin

"Die Wolkenfischerin" 
von 
Claudia Winter



erschienen am 18.12.2017
 Goldmann Verlag
ISBN: 9783442485734
420 Seiten


Inhalt:


Charmant und gewitzt hat sich Claire Durant auf der Karriereleiter eines Berliner Gourmet-Magazins ganz nach oben geschummelt. Denn niemand ahnt, dass die Französin weder eine waschechte Pariserin ist noch Kunst studiert hat – bis sie einen Hilferuf aus der Bretagne erhält, wo sie in Wahrheit aufgewachsen ist: Ihre Mutter muss ins Krankenhaus und kann Claires gehörlose Schwester nicht allein lassen. Claire reist in das kleine Dorf am Meer und ahnt noch nicht, dass ihre Gefühlswelt gehörig in Schieflage geraten wird. Denn ihr Freund Nicolas aus gemeinsamen Kindertagen ist längst nicht mehr der schüchterne Junge, der er einmal war, und dann taucht aus heiterem Himmel auch noch ihr Chef auf. Claire muss improvisieren, um ihr Lügengespinst aufrechtzuerhalten – und stiftet ein heilloses Durcheinander in dem sonst so beschaulichen Örtchen Moguériec.


Meine Meinung:

Claire ist eine Wolkenfischerin. Sie möchte raus aus der engen und braven Bretagne und rein in das wilde und spannende Leben. Und sie schafft es. Sie geht ihren Weg und arbeitet nun bei einem Berliner Magazin. Endlich soll sie befördert werden. Doch je höher sie klettert, umso mehr wackelt ihr Gerüst aus Lügen und Geheimnissen. Und wie bei jeder guten Geschichte wird es einstürzen. 

Claudia Winter hat eine schöne Geschichte rund um Claire und ihre bretonische Familie, über Wünsche und Sehnsüchte, über das Familiengefühl und die Liebe geschrieben. Es werden viele bekannte Klischees ausgepackt und in diese Geschichte eingearbeitet und natürlich darf eine leicht verzwickte Liebesgeschichte nicht fehlen. Dazu kommt noch eine gute Portion Humor und bretonischer Starrsinn. Claudia Winter hat viele verschiedene Charaktere beschrieben, mit denen man sich je nach Neigung mal mehr oder weniger identifizieren kann. Mir hat besonders Tante Valerie gefallen. Eine wunderbare Person, die so lebt, wie sie es möchte und sich keiner Norm anpasst. Aber auch die anderen Figuren sind sympathisch, jeder auf seine Weise. Zum Ende zu wird es leider etwas kitschig, aber das gehört wohl zu einer locker-leichten (leicht vorhersehbaren) Geschichte dazu.

Es ist eine schöne Komödie, die man ganz entspannt auf dem Sofa schmökern kann. 

3 von 5 Sternen